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Leseprobe Nicht auf den Mund gefallen


 

Cover

von Matthias Pöhm

35.90 CHF / 19.90 Euro ( MVG )
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Eine Leseprobe aus dem Buch...

 

Ausschnitte zum Thema
"Das absichtliche Missverstehen"
(Seiten 68-69)

Von all den Witzfertigkeitstechniken gehört dieses Schema zu den höchsten Weihen der Schlagfertigkeit. Als die Beatles Anfang der 60er Jahre von ihrer USA-Tournee nach England zurückgekehrt waren, wurden sie von Journalisten gefragt: "Wie fanden Sie Amerika?" Antwort: "Zuerst Grönland - und dann links ab."
Sven Väth, einer der bekanntesten Disk-Jokeys aus der Techno-Szene, wurde während eines Interviews gefragt: "Was legen Sie am liebsten auf?" Darauf er: "Gurkenmaske."
Hinter diesen beiden Antworten steckt ein und dasselbe Muster: Geben Sie den Dingen, die gesagt werden, eine andere Bedeutung als die, die ursprünglich gemeint war. Das heißt:

Sie mißverstehen absichtlich, was gesagt wurde, und geben eine Erwiderung, aus der man erkennt, daß Sie es falsch verstanden haben.

Dabei hilft uns ein Phänomen der Sprache: Es gibt fast kein Wort, das nur eine einzige Bedeutung hätte.
Die Beatles wie auch Sven Väth haben die Frage einfach absichtlich falsch kapiert, indem sie einem Ausdruck aus der Frage eine andere Bedeutung zugeordnet haben als die vom Fragesteller gemeinte.
Das ist die Systematik, mit der auch Sie spielen können. Es ist gar nicht so schwer. Suchen Sie Aussagen danach ab, ob Sie irgendein Wort daraus absichtlich falsch verstehen können. Karl Dall wendet diese Methode häufig an. Wer ihn in seinen Sendungen beobachtet, der merkt, wie er ständig auf der Lauer liegt und die Aussagen seiner Gäste danach abklopft, ob man nicht absichtlich etwas falsch auffassen könnte.
Nachfolgend nun einige Beispiele zum Muster "absichtlich mißverstehen". Bitte decken Sie die Antworten ab, und versuchen Sie zunächst selbst, Antworten zu finden.

Sie gehen also wie folgt vor: Jemand sagt einen Satz - Sie nehmen einen Ausdruck aus dem Satz heraus, kapieren ihn absichtlich falsch und geben eine Erwiderung mit der neuen Bedeutung zurück.

  • Da ist ein Unwetter im Anzug.
    • Dann lass deinen Anzug doch reinigen!
  • Spreche ich zu schnell? Kommen Sie noch mit?
    • Wohin?
  • Mein Mann hat 50 Leute unter sich.
    • Wahrscheinlich ist er Friedhofsgärtner.
  • Mögen Sie trockenen Wein?
    • Flüssig wär mir lieber.
  • Kannst du bitte den Fernseher anmachen?
    • Keine Chance, der hat schon einen festen Freund.
  • Sie stehen am falschen Platz.
    • Wär's Ihnen lieber, wenn ich liegen würde?
  • Sie sind nicht gerade groß.
    • Meine Mutter hat mir immer gesagt, wenn ich mal groß bin, muß ich arbeiten.

 

Ausschnitte zum Thema
"Der versteckte Gegenangriff"
(Seiten 89-91)

... Lassen Sie den Angreifer im schlechten Licht erscheinen. Unterstellen Sie ihm etwas. Das dürfen Sie, das hat er ja auch getan. Die Unterstellung muss nicht zwingend der Wahrheit entsprechen, im Gegenteil. Es wirkt umso schlagfertiger, je weiter hergeholt, je übertriebener und absurder der Vorwurf ist. (...)

Lady Astor zu Churchill: "Wenn ich Ihre Frau wäre, würde ich Ihnen Gift geben."
Churchill: "Wenn ich Ihr Mann wäre, würde ich's nehmen." (...)

Damit die Gegenattacke schlagfertig wirkt, müssen Sie zwei Dinge beachten:

  • Nehmen Sie einen Teil aus dem Angriff auf, und bauen Sie ihn irgendwie mit in die Antwort ein. Dann wirkt Ihre Antwort geistreich.
  • Die Botschaft muss möglichst indirekt ausgedrückt werden, der Zuhörer soll in Gedanken selbst auf die eigentliche Aussage kommen. (...)

In einer Diskothek in Luzern, in der während der Woche kein Eintritt verlangt wurde, verlangte an einem Wochenende der Türsteher 20 Franken Eintritt von mir. Ich fragte ihn erstaunt: "Wieso?" Er antwortete mit einem süffisantem Lächeln: "20 Franken ist doch nicht viel. Das kannst Du Dir bei Deinem Verdienst wohl nicht leisten? Was arbeitest Du denn?" Darauf antwortete ich: "Ich bin Türsteher."

Aufgreifen, was der andere sagt - Gegenattacke durch die Blume.