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Leseprope Vergessen Sie alles über Rhetorik


 

Cover

von Matthias Pöhm

35.90 CHF / 19.90 Euro ( MVG )
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Eine Leseprobe aus dem Buch...

 

Der Sündenfall in der Rhetorik: Folien

Folien haben ja seit neuesten eine Steigerung erfahren. Jetzt gibt es ja heutzutage diese tollen Computeranimationsprogramme, mit denen Texte und Grafiken bewegt auf dem Bildschirm eingeblendet werden können. Da kommen zum Beispiel Ihr Text: "Budget fürs nächste Jahr" wie von Geisterhand von links nach rechts auf den Bildschirm eingeschwebt. Oder eine Grafik dreht sich da auf Knopfdruck um die eigene Achse. Diese Programme heissen zum Beispiel Powerpoint, CorelDraw oder ABC GraphicSuite. Man gestaltet damit alle seine Folien vorher am Computer zu Hause, bestimmt die Reihenfolge und nimmt dann seinen Laptop mit zur Präsentation. bei der Präsentation werden die Bilder dann über einen sogenannten Beamer per Knopfdruck an die Leinwand geworfen. Viele meinen, mit diesen High-Tech Präsentationen würden Sie die ultimative Präsentation schlechthin halten..

Menschen, nicht technische Hilfsmittel überzeugen.

Zunächst einmal möchte ich mit einem grossen Irrtum aufräumen. Der Irrtum lautet: Der Einsatz von Multimedia verbessert automatisch eine Präsentation. Das Gegenteil ist der Fall. Ob Folien oder Multimedia: Das lenkt von Ihrer Person ab. Und nimmt die Aufmerksamkeitsenergie von Ihnen weg. Und Je mehr Sie von Ihrer Person ablenken um so weniger wird Ihre Botschaft und Anliegen wahrgenommen. Dabei ist es völlig egal, ob Sie mit einer Powerpointpräsentation daher kommen oder mit Folien. Die Grundprinzipien bei Powerpoint sind die selben, wie bei Folien. Der Grundsatz lautet: Weniger ist mehr. Folien sollen eine Ausnahme sein. Aber leider ist das Gegenteil die Norm: Präsentationen heutzutage sind Folienschwemmen, wo eine überfrachtete Text-Folie nach der anderen hingeklatscht wird.
Im folgenden spreche ich von Folien, meine aber gleichzeitig auch die PC-gesteuerten Bildschirmanimationen. Die Grundprinzipien bleiben die gleichen

Sie entwerten eine Aussage, wenn Sie sie zusätzlich auf Folie zeigen

Ich war einmal bei einer Präsentation dabei, bei der eine neue Firma gegründet wurde. Der Firmeninhaber selbst hielt die Präsentation. Die Präsentation war "professionell" mit Powerpoint gestaltet. Als Firmenemblem hatte diese Firma den Baum gewählt. Jetzt kam die Passage, wo er begründete, wieso man einen Baum als Emblem gewählt hatte. Er sagte: "Unsere Firma hat als Emblem den Baum gewählt." Klips, der erste Text schwebe von links nach rechts auf den Bildschim. Jedermann konnte lesen "Der Baum steht für:" Der Firmeninhaber las danach laut vernehmlich die Worte vor: "Der Baum steht für". Dann Knopfdruck der nächste Text schwebte von links nach rechts auf den Bildschim. "Festigkeit". Der Redner wiederholte mit fester Stimme: "Festigkeit". Klips, der nächste Text: Alle lasen "Dauerhaftigkeit". Der Redner wiederholte brav: "Dauerhaftigkeit". Knips, nächste Zeile Alle lesen "Wachstum", Der Redner liest vor "Wachstum" und endlich klips "Stärke" der Redner spricht nochmal aus, was alle schon längst gelesen haben und sagt das spannende Wort "Stärke". Sie müssten dieses Szenario wirklich miterlebt haben, um im tiefsten Innern zu erkennen, dass es Einschläfender nicht mehr geht.
Text, der auf der Folie steht, darf nicht mehr gelesen werden. Das ist auch ein Prinzip, das sich auch durch die TV-Werbung hindurchzieht. Sie sehen fast nie einen Werbeclip in dem der eingeblendete Text noch einmal vom Sprecher wiederholt wird. Entweder gesprochener Wort, oder geschriebener Text. Beides gleichzeitig fast nie.

Aber 90% aller Folienleger benutzen Ihre Folien auf diese Weise. Sie lesen noch einmal brav vor, was Sie vorher den Leuten auf Folie geschrieben haben. Wenn die Wirkung denn dabei nur gegen Null gehen würde, wäre es ja noch gut aber nein, so eine Folienanwendung geht ins Minus: Sie nimmt komplett die Spannung aus Ihren Aussagen.