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"Natürlich habe ich mich gefragt: Warum tust du dir das an?",
sagt Teilnehmer Bernhard Pöschl schmunzelnd - "das letzte Mal habe
ich mich so gefühlt bei der Matura!" Er ist zusammen mit seinem
Geschäftspartner Wolfgang W. Nagele extra aus Österreich angereist. Im
ersten Seminarblock haben die Teilnehmer von Matthias Pöhm erfahren,
was "Wirksprache" ist. Nun weiht er sie in das nächste Lernziel
ein: Aufbau einer Jubiläumsrede und Rhetorische Frage. Beim Thema
Anaphora wird Martin Luther King eingespielt und seine berühmte Rede
mit dem mehrmals wiederkehrenden Satz: "I have a dream."
Im Anschluss an diese 15 Minuten dauernde Lektion müssen sich gleich
zwei oder drei Teilnehmer vor dem großen Plenum erproben. Zu Beginn mit
einfachen, kurzen rhetorischen Fragen: "Möchten Sie in den
Nachrichten belogen werden? Glaubwürdigkeit - das ist doch das A und O
im Journalismus." Am zweiten Tag des Seminars halten sie nach
einem solchen Theorieblock schon ad hoc Stegreifreden nach der Methode:
Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft.
Für die Redner geht es Schlag auf Schlag
Spannend wird es zwischen den kurzen Vortragsblöcken: Dann verteilt
sich das Publikum in drei kleinere Säle, in einem stehen die Tische in
U-Form, im anderen schräg wie bei einem Fischgrätmuster und der dritte
Saal ist ganz breit wie in ein Hörsaal. Die einzelnen
"Rhetorikfrischlinge" kommen vorbei und halten ihre kurz
zuvor in wenigen Minuten zubereitete Rede.
Danach gibt es Kritik und Korrektur von einem der Co-Trainer. Und schon
geht es weiter in den nächsten Saal. Nochmal von vorne! Denn
"Reden lernt man durch Reden", wie schon Cicero wusste. Das
Seminar rauscht durch den Tag in diesem Wechsel bis spät abends wie ein
reißender Fluss. Am Ende des gesamten Seminars haben die einzelnen
Teilnehmer 24 Mal vor Publikum gesprochen.
Freie Rede - ganz ohne Powerpoint
"Ich habe einen starken Energieverlust", sagt Wolfgang W.
Nagele am zweiten Tag des Seminars. "Es ist schon sehr viel Stoff
und deshalb ein bisschen verwirrend." Dem Geschäftsführer von M2
Master Management und seinem Kollegen Pöschl ist inzwischen klar
geworden, dass Sie alles umstellen müssen, was sie bislang gemacht
haben: Keine Statistiken mehr. Keine Powerpoint-Präsentationen mehr.
Und: "Der Referent muss ein bisschen was von sich Preis
geben", ist Pöschls Erkenntnis, "dann wirkt die Rede
auch."
Er räumt allerdings ein, dass es schwierig sei, "wenn man jemanden
wie Matthias Pöhm als Maßstab nimmt." Denn Pöhm genießt den Ruf
der "Star unter den Schlagfertigkeitstrainern" zu sein, als
Rhetorik-Guru bezeichnen ihn gar manche. Obwohl er Sätze sagt wie:
"Egal was Ihnen ihre Mutter beigebracht hat - vergessen Sie es: Bescheidenheit
bringt nichts!" Oder gerade deswegen? Jedenfalls verkauft keiner
in diesem Metier mehr Bücher als er.
Sprechtraining für Buchautoren und Verkäufer
Nun hat er sich einen lange gehegten Traum erfüllt - seit 1995
arbeitete in ihm die Idee für ein derartiges "VIP-Seminar",
in dem wenige Teilnehmer viele Reden halten und das vor Publikum. Vier
Säle, 115 Zuschauer, drei Co-Trainer, ein weiterer Stab an Mitarbeitern
- das kostet. Doch der Preis von 4900 Euro schreckt nicht ab: "Wir
werden in nächster Zeit sehr oft vor vielen Menschen sprechen",
erklärt der 43-jährige Nagele seine Teilnahme - "weil wir ein
neues Produkt einführen." Ein Biocomputer, der die Menschen vor
gefährlicher Strahlung schützt. "Deshalb erwarte ich, dass sich
unser Einsatz für dieses Seminar verfünffacht", rechnet Nagele.
Die reale Simulation mit Publikum war denn auch für die meisten der
zwölf Teilnehmer der Grund, teil zu nehmen. In der Regel ist es vor
allem die Furcht vor den Zuhörern, die viele Redner hemmt. "Das
direkte Feedback vom Publikum und von den Trainern ist eine große
Hilfe", sagt Pöschl. So erging es auch dem Schweizer
Schriftsteller Claude-Alain Humbert: "Ich habe gerade ein neues
Buch heraus gebracht", erzählt der 49-Jährige. "Deshalb
musste ich vor 170 Leuten sprechen - und hatte ein richtiges Problem
damit."
"Eine Art Freude"
Das VIP-Seminar von Pöhm sei zwar "eine harte Schule" gesteht
er. "Aber ich empfinde jetzt eine Art Freude, weil ich etwas
schaffe, was mir lange Zeit Schwierigkeiten bereitet hat. Ich gehe
jetzt viel natürlicher auf die Bühne." Außerdem glaubt er, dass es
sich mit der Rhetorik wie mit dem Rad fahren verhält: Wann man es
einmal gelernt hat, kann man es immer wieder.
Auch die extra bezahlten Zuschauer - zu einem Tagessatz von 50 Euro -
lernen bei diesem Seminar der "Superlative", wie Pöhm es
selber nennt. Die meisten kommen aus Bereichen, wo sie viel mit der
Kunst des Redens zu tun haben - sind beispielsweise selbst Trainer oder
auch Pädagogen. Viele müssen viel vor Publikum sprechen, haben deswegen
schon mal an einem Pöhm-Seminar teil genommen. Sie sehen darin eine
nützliche Wiederholung. "So geht das Seminar für beide Seiten
auf", sagt Bernhard Aggeler, der in der Schweiz eine eigene Firma
für Software-Event-Marketing betreibt.
Und Matthias Pöhm? Gibt sich euphorisch. "Die Teilnehmer sind
regelrecht über sich selbst hinaus gewachsen", resümiert er -
"im Grunde wurden alle meine Erwartungen übertroffen. Sogar das
Publikum gab am Ende Standing Ovations." Im Februar nächsten
Jahres veranstaltet er deshalb das zweite VIP-Seminar.
(Sabine Letz / Bild: No Limit PR)
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Alliteration:
Buchstabenangleichung - zwei oder mehrere Wörter innerhalb eines
Satzes oder einer Zeile fangen mit demselben betonten Anlaut an.
Anaphora: Das Wiederholen eines Wortes oder mehrerer am
Anfang von aufeinanderfolgenden Sätzen.
Beispiel: Verweis auf einen wirklichen oder erfundenen
Einzelfall, um einen Sachverhalt, eine Erfahrung oder eine Lehre
zu verdeutlichen.
Emphase: Wortwiederholung, mit der etwas besonders
hervorgehoben oder
betont wird.
Hyperbel: Übertreibung - ein Aussage wird durch eine
Vergrößerung so übersteigert, dass sie nicht mehr zutrifft.
Klimax: Steigerung - eine Reihe von Ausdrücken wird in
steigender Anordnung gebraucht.
Metapher: Bildhafter Wortgebrauch - ein Wort wird aus dem
gängigen Bedeutungszusammenhang gelöst und in einen anderen
Zusammenhang eingeordnet, so dass es eine neue Bedeutung erhält.
Personifikation: Abstrakten Begriffen, unbelebten
Erscheinungen, Tieren und Pflanzen werden Eigenschaften oder
Verhaltensweisen zugeordnet, die sonst nur Menschen zukommen.
Rhetorische Frage: Scheinfrage, die eine nachdrückliche
Aussage enthält und die Zustimmung des Zuhörers als gegeben
voraussetzt.
Wirksprache: Bildhaftes und lebensnahes Sprechen, aufs
Wesentliche konzentriert. Oft im Präsens.
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