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Mein spektakulärstes Bewerbungscoaching: Der Entwicklungsleiter

Bewerbungscoach Matthias Pöhm 

Im Bewerbungscoaching erlebe ich auch Kandidaten, bei denen die bisherige Bewerbungen scheiterten und ich gehe detektivisch auf die Suche nach Ursachen. Bei diesem hier beschriebenen Fall ging es am Ende nicht um die Qualifikation, sondern ich entdeckte eine erstaunliche Ursache für das Scheitern der bisherigen Vorstellungsgespräche.

 

Brisante Hintergründe bei der alten Firma

In meinem Bewerbungscoaching hatte ich einen Entwicklungsleiter. Er erzählte mir, dass er reihenweise bei Firmen vorgesprochen hatte, aber nirgendwo kam eine Zusage. Das erstaunliche war, der Mann war hochgradig fähig, hatte etliche Patente laufen, und hatte in seiner alten Firma technisch Probleme gelöst, die andere für unlösbar hielten.

Er erzählte mir dann einige brisante Hintergründe: Er lag mit seiner alten Firma juristisch über Kreuz, weil er dort Erfindungen als sein eigenes Patent angemeldet hatte und die Firma aber jetzt wollte, dass diese Patente auf die Firma überschrieben wurden.

 

Er war erfinderischer als erwartet

Das klingt zunächst vernünftig. Aber gemäss Arbeitsrecht gilt das nur für Erfindungen, die innerhalb seiner Jobbeschreibung geschehen. Diese sind Eigentum der Firma. Er hatte aber ein derart grosses technisches Wissen, dass er reihenweise Erfindungen ausserhalb seines Aufgabengebietes bewerkstelligte und diese auch erfolgreich umsetzte. So erzählte er mir ein Beispiel, wo er dank seiner Erfindung die Produktionskosten pro Monat um 160.000 € reduzieren konnte. Das bedeutet pro Jahr 1,9 Millionen Einsparung. Auch diese Erfindung lag ausserhalb seines Aufgabengebiets.

 

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Der Entwicklungsingenieur wurde beschattet

Es wurde aber noch mysteriöser.
Seine alte Firma, so vermutete er, würde jeweils bei den neuen Firmen vorab intrigieren, sobald er sich dort bewirbt. Er war sich sicher, dass sein Handy in irgendeiner Form gehackt war, und die anderen wussten, wann und wo es sich beworben hat.
Er war sich sicher, dass er von Privatdetektiven, beauftragt von dieser Firma, beschattet wurde. Zunächst war ich skeptisch, aber dann erzählte er mir eine Geschichte, die das Ganze sehr wahrscheinlich machte.

Er fuhr zu einem Bewerbungsgespräch, und sah 20 Minuten lang hinter sich immer dasselbe Auto hinterherfahren. Wenn er beschleunigte, beschleunigte das Auto auch, wenn er abbremste bremste auch das Auto ab. Dann machte er einen ultimativen Test. Beim nächsten Kreisverkehr fuhr er nicht die korrekte Ausfahrt ab, sondern er drehte absichtlich drei Runden im Kreisverkehr bevor er abbog. Das Auto hinter ihm machte exakt dieselbe Bewegung mit. Und das kam nicht nur einmal, sondern mehrmals vor. Da war auch mir klar: Das kann kein Zufall mehr sein. 

 

Meine Strategie: Mit offenen Karten spielen

Ich fragte ihn: Erzählen Sie beim Vorstellungsgespräch von dieser juristischen Auseinandersetzung?
Er: Nein, sonst würden die mich ja nicht einstellen.

Und ab hier war mir die Strategie für ihn klar: Flucht nach vorne!
Ich entwickelte für ihn eine Strategie, wie er gleich zum Anfang jedes neuen Vorstellungsgesprächs das heikle Thema aktiv anspricht. Denn nur dann hat er selbst die Deutungshoheit über das Thema.

 

Die Deutungshoheit lag jetzt bei ihm

Und so entwickelten wir den Einstieg in seinen Job interview: "Sehr geehrter Herr Firmeninhaber, bevor wir weiter ins Gespräch gehen, möchte ich Ihnen offenlegen, dass ich mit meiner alten Firma in juristischer Auseinandersetzung bin. Hier ist der Hintergrund..."

Und jetzt erklärte er seine Sicht der Dinge. Jetzt plötzlich hatte er die Erklärhoheit dieser Geschichte. Seine Story galt es dann so zu feinzupolieren, dass er als das Opfer der alten Firma rüberkam. Hier half ich ihm mit meinem Wissen.
Dabei haben wir natürlich auch die Sub-Botschaft vermittelt: Mit mir kauft ihr praktisch ein Genie ein, einen Top-Ingenieur, der mehr zu leisten imstande ist, als in seiner Aufgabenbeschreibung steht. Auch IHR könnt von mir Erfindungen erwarten, die eure Firma revolutionieren. Wichtig war dann noch zu kommunizieren, dass er mit der neuen Firma nicht in juristische Auseinandersetzung geraten wird, weil man die Dinge vorher klar definiert.

Drei Wochen später, kam ein E-Mail: "Herr Pöhm, danke vielmals, ich habe einen neuen Job!"

 

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