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PowerPoint - Und die Sprache wird zerstört

 

PowerPoint zerstört Sprache. Nicht ein bisschen, nicht gelegentlich, sondern systematisch.

Sobald Sie anfangen, Ihre Rede in Folien zu pressen, zwingt PowerPoint Sie dazu, Verben zu töten und sie durch Substantive zu ersetzen. Was vorher lebendig, konkret und anschaulich ist, wird zu Satzmonstern, die nur noch vom Verstand verarbeitet werden, aber kein Gefühl mehr auslösen. Und Ihnen hört niemand zu.

Nehmen wir an, Sie wollen Ihrem Publikum mitteilen, welche Funktionen Ihr neu eingesetzter Regensensor hat. Frei gesprochen würden Sie sagen :

"Der Regensensor erkennt, ob es regnet, und schaltet den Scheibenwischer ein. Er erkennt, wie stark es regnet, und lässt den Wischer schneller laufen!"

Das versteht jeder. Das ist Alltagssprache. Das erzeugt sofort Bilder im Kopf.

Unter PowerPoint wird daraus:

 

Steuerungs-Kriterien des Regensensors

  • Erkennen der Wischnotwendigkeit bei Benetzung der Frontscheibe.
  • Wischintervallerhöhung durch Erkennen der Regenmenge.

 

Das ist keine Sprachvermittlung mehr - das ist zu Beton versteinerte Sprache.

 

Warum selbst gute Redner plötzlich hölzern sprechen

Jetzt passiert im Vortrag etwas Vorhersehbares. Sie stehen vorne. Sie schauen auf die Folie. Noch bevor Sie sprechen, wandert dieser Satz in Ihr Kurzzeitgedächtnis. Und Sie verlieren die Fähigkeit, ihn spontan wieder in normale Alltagssprache zurück zu übersetzen. Sie lesen ihn ab oder reden ihn nach. Nicht, weil Sie nicht mehr "normal" reden könnten, sondern weil PowerPoint Sie dazu zwingt.

Nach fünf solchen Folien hat kaum einer im Raum mehr Lust zuzuhören. Teilnehmer aus meinen Seminaren haben mir Präsentationen gezeigt, in denen 126 solcher Folien hintereinander kamen. 126! Das ist Fliessband-Einschläferung.

Milliarden von Folien werden Monat für Monat in Firmen, auf Kongressen, in Universitäten, Schulen, Behörden, Vereinsversammlungen und auf Fachmessen rund um den Globus gezeigt. Und fast alle haben das gleiche Grundproblem: Die Rede wird durch die Folien in kleine Häppchen zerlegt, die nicht dem natürlichen Redefluss entsprechen. Der Redner redet nicht mehr flüssig, er portioniert. So spricht kein gesunder Mensch, aber PowerPoint zwingt Sie dazu.

 

Die Illusion: Ja, aber ich spreche trotzdem frei

Jetzt kommt der klassische Einwand: „Ich blende Folien ein, rede aber trotzdem frei.“ Nein, tun Sie nicht. In dem Moment, in dem die Folie vor Ihren Augen erscheint, bestimmt sie Ihre Sprache. Ich habe es bei duzenden Präsentationen analysiert: Der Redner will, aber er kann sich nicht vom Folientext trennen. Die Folie ist kein Stichwortzettel, sie ist ein Sprachkäfig. Wenn aber keine Folie mit Text eingeblendet ist, dann reden Sie wieder, wie Sie normalerweise auch reden würden.

 

Fazit

Wenn Sie PowerPoint einsetzen wollen, dann nur mit einem klaren Verbot: Die Folie darf niemals das mitteilen, was Sie gleich sagen. Damit erübrigen sich alle Textfolien. Lassen Sie sie deshalb komplett weg. Statt einer Folie zu haben, auf der steht „Erkennen der Wischnotwendigkeit“, machen Sie ohne jegliche Folie die Handbewegung eines Scheibenwischers und kommentieren: "Der Sensor erkennt ob's regnet und schaltet ihn an"

 

Etwas Persönliches vom Autor 

Ich weiss, dass meine Artikel eine höhere Qualität liefern, als der Durchschnitt des rhetorischen Sprühnebels, der da draussen sonst zu lesen ist. Tatsache ist: es gibt nur wenige, die das überhaupt erkennen. Wenn Sie zu diesen wenigen gehören, hier eine Idee: abonnieren Sie meinen Newsletter. Und wenn Sie finden, dass ich damit recht habe: fünf Sterne bei Google sind eine schöne Art, es mir mitzuteilen.

 

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