Der Chef vergreift sich im Meeting im Ton - DAS ist die Lösung

In einer meiner letzten Mentoring-Sessions hatte ich eine Führungskraft, die in den wöchentlichen Mittwoch-Meetings von ihrem Chef regelmäßig vor versammelter Mannschaft bloßgestellt wurde. Nicht nur er, sondern alle anderen auch.
Zum Beispiel sagte der Chef, nachdem mein Klient einen speziellen Mitarbeiter verteidigt hatte, im aufbrausenden Ton vor allen Anwesenden: „Was, du willst diesen Mitarbeiter nicht entlassen? Dann brauchst du wohl einen Leadership-Kurs.“
Solche Brachialbemerkungen fallen dort fast jeden Mittwoch.
Schlagfertigkeit löst das eigentliche Problem nicht
Gemeinsam haben wir eine Strategie entwickelt, um dem Einhalt zu gebieten. Man kann hier zwar eine schlagfertige Antwort entwickeln - z. B. die Antwort-Strategie mit dem „höheren Ziel“ -, bei der man bei der Umgebung Ansehenspunkte bekommt, aber die Dinge wären dadurch nicht geregelt - das Problem wäre immer noch da. Unsere Lösung sah anders aus.
Die Persönlichkeit des Chefs hat zwei Gesichter
Der erste Schritt ist ein Vier-Augen-Gespräch mit dem Chef. Denn unter vier Augen ist dieser Manager völlig anders. Er ist vernünftig, hört zu und spricht respektvoll mit seinen Führungskräften. Doch sobald Publikum im Raum sitzt, verwandelt er sich in einen Pitbull-Terrier.
Genau diese Vernunft im Einzelgespräch machten wir uns zunutze.
Mein Klient wusste von seinem Chef, dass er selbst unter diesem Verhalten leidet. Er hat ihm gegenüber schon angedeutet, dass er sich in Meetings oft nicht im Griff hat - er könne aber nicht aus seiner Haut.
Das Ja vor der eigentlichen Intervention
Deshalb war die Strategie, erst mal ein Einzelgespräch zu suchen. Und das sollte er so beginnen:
„Heribert, du hast mir mehrfach gesagt, dass du mit deinem aufbrausenden Verhalten in Meetings selbst nicht glücklich bist. Ich habe eine Idee, wie du das ändern könntest. Möchtest du sie hören?“
Das baut erstens Spannung auf, und zweitens gibt der Chef, bevor mein Klient die Idee ausspricht, bereits sein Einverständnis dazu - das öffnet seine Tore.
Dann sagte mein Klient:
„Heribert, es ist von der Lernpsychologie her erwiesen: Wenn man jemanden direkt auf ein nicht gewünschtes Verhalten aufmerksam macht, ist es viel wirksamer, als wenn man es ihm nur im Nachgang sagt. Hier meine Idee: Wenn du das nächste Mal wieder verletzend wirst bei einem Meeting, würde ich dich gerne darauf aufmerksam machen. Höflich, aber bestimmt. Ja, vor allen Leuten - ich weiß, das ist dir unangenehm. Aber vorausgesetzt, du willst es ändern - wärst du damit einverstanden?“
Die erwartete Antwort vom Chef: „Ja, das könnten wir versuchen!“
Jedes einzelne Wort kann über den Erfolg entscheiden
Und jetzt haben wir einen Interventionstext erarbeitet, den er sogar vorab mit dem Chef abgesprochen hat, bei dem aber jedes Wort abgewogen war.
Gerade bei kritischen Gesprächen ist es in der Kommunikation wichtig, mit welchen Worten Sie das formulieren. Es wird oft unterschätzt, was einzelne punktgenaue Formulierungen auslösen können, wie wichtig es ist, welche spezifischen Ausdrücke Sie wählen, welchen Einstieg Sie wählen, welche Satzreihenfolge Sie wählen. Daran haben wir eine halbe Stunde herumgefeilt. Denn meine Erfahrung ist die: Wenn man manchmal nur ein oder zwei Worte austauscht, die Dinge frei Schnauze anders formuliert als vereinbart, einzelne Sätze weglässt usw., dann geht die Wirkung plötzlich nicht ein bisschen weg, sondern sie kracht teilweise zu 80 % zusammen.
Die vorbereitete Intervention, wenn es wieder passiert
Hier nun die von uns vorbereitete Intervention, die er vor allen Anwesenden im Meeting von sich gibt, sobald der Chef sich wieder im Ton vergreift. Der Chef, aufbrausend: „Wenn du den nicht entlassen willst, dann brauchst du wohl einen Leadership-Kurs.“
„Heribert, mir fällt gerade etwas auf. Ich fühle mich durch deine Bemerkungen vor allen herabgesetzt und bloßgestellt - das tut mir nicht gut, und allen anderen tut das auch nicht gut.
Ich möchte dich höflich im Namen aller bitten, dass du doch bitte die Dinge sachlich formulierst und dabei respektvoll bleibst - ohne andere bloßzustellen. Wir wären dir alle dankbar.
Heribert, könnten wir uns darauf einigen?“
Warum sofortige Korrekturen wirksamer sind
Dadurch, dass der Chef im Vorgespräch dieser Intervention bereits seinen Daumen hoch gegeben hat, hat das schon eine viel größere Umsetzungswahrscheinlichkeit, als nur im Vier-Augen-Gespräch zu sagen: „Chef, du hast mich wieder mal vor allen beleidigt.“
Aber wenn mein Klient beim nächsten aufbrausenden Verhalten tatsächlich diesen Satz von sich gibt, ist das wie bei einem Hund, den man direkt auf sein Fehlverhalten aufmerksam macht und nicht erst zehn Minuten später. Denn wie ein Hund lernt auch der Mensch am meisten, wenn man ihn direkt beim Fehlverhalten korrigiert.
Was hilft mir, wenn mein Chef sich im Ton vergreift
Viele Führungskräfte haben Chefs, die nicht so sind, wie sie sich es wünschen. Sie haben Mitarbeiter, die nicht tun, was sie wollen.
1-zu-1-Mentoring mit M. Pöhm persönlich: Mentoring
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