Ich hasse PowerPoint

In meinem Redecoaching erlebe ich immer wieder, wie Menschen wie verhext mit einer PowerPoint im Rucksack eingaloppieren.
Anfänglich war PowerPoint geplant, die Wirkung einer mündlichen Rede durch ein treffendes Bild oder ein Schlagwort im Hintergrund zu unterstützen. Dieses Leitmotiv haben die User von Anfang an missverstanden. Sie haben den Hintergrund zum Vordergrund gemacht und sich selbst in das Halbdunkel verdrückt.
Die große Kunst der Folien-Verzierung
PowerPoint ist ja auch so wunderbar vielseitig:
Früher flogen noch Texte von links nach rechts auf den Bildschirm - Das macht inzwischen keiner mehr. Und man klopft sich dafür stolz wechselseitig auf die Schulter, bis sie wund gescheuert ist: Wir sind "moderne" Anwender.
Da passt eine ganze A4 Seite auf eine Folie, wenn man die Schrift nur klein genug macht.
Dort wird eine Tabellengrafik mit 12 Spalten und 17 Reihen richtig übersichtlich abgebildet
Und hier wird mit einer Animation ein wirklich lustiges GIF gezeigt.
Da wird ein Bild einer startenden Rakete gezeigt, während der Redner spricht: "Wir starten in eine neue Zukunft."
Da bleibt dauernd ein Bild einer joggenden jungen Frau eingeblendet, mit dem Text "Fitness hält jung", während der Redner von "Fitnessstudios" spricht.
PowerPoint ist zum Kotzen
In den meisten Fällen, wenn ich etwas hasse, verdamme ich es aus meinem Leben. Aber bei PowerPoint geht es nicht. PowerPoint ist fürs Leben an meine Füsse gekettet - denn ich kann ihm nirgendwo mehr entkommen!
Ich hasse PowerPoint, weil es uns zwingt unsere Rede in Häppchen zu fragmentieren
ich hasse PowerPoint, weil es weltweit für monatlich acht Milliarden Valiums in Folienform verantwortlich ist
ich hasse PowerPoint, weil es den Redner zum Bedienpersonal seiner eigenen Präsentation degradiert
Ich hasse PowerPoint, weil es seit seiner Lancierung im Jahr 1987 - vor fast 40 Jahren! - für Milliarden von schlechten Reden die Verantwortung trägt
DIES IST UNENTSCHULDBAR.
Der einzige Grund, weshalb es weiter bestehen kann, ist, dass wir alle denken: "Das ist halt State of the Art".
Auch schlechtes Verhalten wirkt leider ansteckend.
PowerPoint ist böse und schlecht
Wenn es einen Wettbewerb gäbe, einmal Präsentation mit PowerPoint und dann derselbe Redner ohne PowerPoint - mit Freisprechen oder Flipchart - würde PowerPoint nicht mehr existieren, weil es immer verlieren würde.
Ich habe tausende Stunden PowerPoint Präsentationen erlitten. Und ich muss es weiter ertragen. Hier ist der Grund, warum PowerPoint so schlecht ist:
Es verführt den Redner dazu, die dümmsten Dinge zu tun, die er ohne PowerPoint nicht tun würde.
Er wird verführt, die Schrift zu ändern.
Er kann nicht damit aufhören, seinen Bulletpoint-Text neu zu formulieren.
Er konzentriert sich auf grafische Elemente, statt auf einen guten Vortrag.
Er nimmt sein Handout, das er vorher verschickt hat und das jeder im Publikum schon kennt, und präsentiert es noch einmal eins zu eins in PowerPoint.
Er nutzt PowerPoint als Spickzettel und liest säuberlich alles ab, was jeder schon längst vor ihm gelesen hat.
In Tennessee haben Sie die Todesstrafe, aber wir hier müssen immer noch Leute mit PowerPoint anschauen.
Tod durch PowerPoint
Es gibt eine bequeme Selbstlüge: "Es liegt nicht an PowerPoint, es liegt am Redner."
Nein, es liegt an PowerPoint.
PowerPoint zwingt Menschen dazu, schlechte Präsentatoren zu sein.
PowerPoint ist eine gefühlte Nahtoderfahrung. Nach Tausenden von Stunden der Tortur sollte man eine Krankheit abstellen können. Nach tausenden von Stunden der Tortur sollte eigentlich eine staatliche Taskforce eingreifen.
Aber nichts passiert!
Es gibt zwei Arten von Menschen, die PowerPoint lieben
1) Leute, die keine Ahnung haben, wie eine Präsentation ohne PowerPoint aussehen könnte - sie lieben PowerPoint, weil sie blind und unwissend sind. Sie klatschen schnell ein paar Wörter und Fotos auf irgendwelche Folien. Job erledigt.
2) Leute, die jedes Handbuch lesen und jeden Kurs besuchen - sie lieben PowerPoint, weil sie viel Zeit, Geld und Mühe investieren, um wirklich gut darin zu sein. Es klingt für mich so, als ob jemand gut darin werden möchte, mit holländischen Holzschuhen einen 100-Meter-Lauf zu gewinnen.
Stellen Sie sich vor, der Strom wäre ausgefallen
Ich gebe Ihnen den Tipp. Stellen Sie sich vor, die Katastrophe würde passieren und plötzlich wäre bei Ihrer anstehenden Präsentation der Strom ausgefallen. Ich habe das tatsächlich erlebt. Ein Redner, der PowerPoint vorbereitet hatte, war gezwungen, wegen technischer Komplikation alles ohne PowerPoint zu machen. Und er sagte mir danach: Es war dreimal so gut wie mit.
Testen Sie es aus. Ihre Kreativität nimmt exponentiell zu, wenn Sie ohne PowerPoint präsentieren.
Etwas Persönliches vom Autor
Ich weiss, dass meine Artikel eine höhere Qualität liefern, als der Durchschnitt des rhetorischen Sprühnebels, der da draussen sonst zu lesen ist. Tatsache ist: es gibt nur wenige, die das überhaupt erkennen. Wenn Sie zu diesen wenigen gehören, hier eine Idee: abonnieren Sie meinen Newsletter. Und wenn Sie finden, dass ich damit recht habe: fünf Sterne bei Google sind eine schöne Art, es mir mitzuteilen.
Wollen Sie lernen, ohne PowerPoint zu präsentieren? Hier zeige ich wie das geht
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