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Beispiel Bewerbungs-Coaching: Schuldirektorin

Bewerbungscoach Matthias Pöhm 

 

 

Schuldirektorin werden - Die 10 Minuten Rede vor dem Entscheidungs-Gremium

Eine Dame wollte Direktorin einer internationalen Schule werden. Sie wurde eingeladen nach Frankfurt zum Vorstellungsgespräch. Sie hatte 10 Minuten Zeit, um sich, neben sieben weiteren Kandidaten, zu präsentieren. Sie kam zu mir ins Bewerbungscoaching. 

Bei dieser Kundin bestand die Aufgabe darin, diese 10-Minuten-Rede vorzubereiten, mit der sie sich bei einer aus 8 Personen bestehenden Jury präsentieren sollte. Sie saß allein hinter einem Tisch, während das Gremium, wie in einem Gerichtssaal, hinter Tischen vor ihr saß.

Die Position im Raum spielt beim Redecoaching immer eine Rolle. Wir überlegten, ob sie aufstehen oder sitzen bleiben sollte. Beides haben wir durchgespielt und uns schließlich für das Sitzenbleiben entschieden. Es passte einfach besser.
Dann stellte sich die Frage nach der PowerPoint-Präsentation. Sie hatte eine PowerPoint vorbereitet, die ihre biografischen Eckdaten enthielt. Nachdem ich sie mir angeschaut hatte, haben wir beschlossen, sie komplett wegzulassen. Schon allein deswegen, weil die Leinwand nicht hinter ihr war, sondern im 90-Grad-Winkel seitlich zu ihr. Damit wäre sie komplett aus dem Fokus der Jury gewesen.

Denn man muss im Zentrum der Aufmerksamkeit bleiben, wenn man als Autorität wahrgenommen werden will.

Das Entscheidende war jedoch: Es waren fast nur Textfolien, die nur zum "betreuten Lesen" eingeladen hätten. Das haben wir entschlackt. 

 

Emotionaler Einstieg

Mein Ziel beim Bewerbungscoaching, soweit es sich um eine Selbstpräsentation handelt, besteht immer darin, gleich vom Anfang mit einer emotionalen Aussage die Jury für sich zu gewinnen. Nach einigen Nachfragen kamen wir dann auf folgenden Einstieg:

Als ich fünf Jahre alt war haben meine Freundinnen immer Barbie gespielt. Ich habe nicht Barbie gespielt, ich habe immer Lehrerin gespielt. Schon damals wusste ich: Ich will Lehrerin werden! 
Ich bin seit 30 Jahren im Geschäft.

Diese Emotions-Karte war ein wichtiger Trumpf, der schon mal ein Paukenschlag darstellte. 
Danach folgte die Darstellung ihres beruflichen Werdegangs. Es war hilfreich, dass sie bereits Direktorin und Co-Direktorin an anderen Schulen war. Aber im Vergleich zu ihrem Entwurf, gestalteten wir es so, dass immer herausgearbeitet wurde, wie und wo diese Erfahrung auch bei der neuen Stelle gebraucht wird. Denn das fehlt vielen Bewerbungskandidaten: Sie verpassen es, die Brücke zu schlagen, zu der neuen Aufgabe. 

 

Haben Sie eine Vorstellungsgespräch, die Ihnen wichtig ist?

 

Wie man sich als "Macherin" präsentiert

Die Schule plante einen Neubau. Es ging jetzt darum zu signalisieren, dass sie die Schwierigkeiten und Probleme eines Neubaus zu handeln weiss und dass sie als Macherin wahrgenommen wird. 

Dazu ist es sehr hilfreich für alle Manager, Führungskräfte und Direktoren, wenn man eine Business- oder Lebensphilosophie übermitteln kann und eine Vision hat. So haben wir es dann in einer Passage zusammengefasst:

Es ist bekannt: Die Frankfurter Schule plant einen Schulneubau. Dort wird es Schwierigkeiten geben, dort wird es Rückschläge geben, dort wird es Scheitern geben, dort wird es Budget Probleme geben.

Aber ich habe was gelernt in meiner Funktion als Führungskraft: Wenn ich einen langen Weg vor mir habe... GEHE ICH! EINFACH! LOS!

Ich will es durchziehen, weil ich bereits den Endzustand sehe.

 

Manager wissen, dass der Job nicht immer Zuckerschlecken ist

Weiter ist es für eine Direktorin oder Managerin wichtig zu vermitteln, dass so ein Job nicht immer Zuckerschlecken ist und dass sie sich dessen bewusst ist. Das muss man verbalisieren. Und so haben wir es gemacht:

Auf verschiedene Dinge bei dieser Position habe ich einen realistischen Blick. Mir ist bewusst: Nicht alle Entscheidungen, die man als Schulleiter fällt, werden von den Beteiligten mit Applaus quittiert. Das weiß ich. Aber ich muss entscheiden. Das ist meine Aufgabe. 

Eine zweite Sache ist mir auch klar. Ich bekomme Druck von den Eltern. Ich bekomme Druck von der Lehrerschaft. Ich bekomme Druck von den Finanzen, die am Ende stimmen müssen. Das weiß ich, aber ich weiß damit umzugehen. Und ich mache es sogar gerne. 

Weil, Ich liebe es Schulleiterin zu sein. Das bin ich.

 Die Aussage "Das bin ich", ist die höchste Stufe der Identität. Und damit signalisiert man der Jury die komplette Verwurzelung mit der neuen Aufgabe.

 

 

Vorgehensweise beim Redecoaching: Zunächst Kurz-Module erstellen 
 

So gehe ich prinzipiell beim Bewerbungscoaching und auch beim Rhetorikcoaching vor. Zunächst werden einzelne unabhängige drei bis sieben Zeilen lange Kurztexte erstellt, die stand-alone, das heisst für sich alleine, als 1 Minuten Kurzrede funktionieren würden. Sie sind für sich sowohl spannend als auch Informativ. (Die könnte man z.B. auch als Elevator Pitch benutzen)

Und erst am Ende werden diese Module zu einer flüssigen Rede zusammengeschichtet.

Am Ende hatten wir dann die Zeit gemessen: Wir hatten Material für 25 Minuten, Redezeit war aber nur 10 Minuten! Nun mussten wir uns entscheiden, welche dieser Module rausfallen muss. Wir hatten 17 Module.
Der Test funktioniert so: Wir verglichen das erste Modul mit dem zweiten: was wirkt stärker? Der Gewinner bleibt und wird mit dem Dritten, Vierten.. bis zum Ende verglichen. Dann nahmen wir das nächste Modul her machten wieder dasselbe. Bis zum Schluss die wirksamsten acht Module übrig blieben.

Kunden unterschätzen immer, wie lange so eine Prozedur dauert. Wir haben 2 Stunden nur für diesen Aussortierungsprozess gebraucht.

Aber am Ende hat es sich gelohnt:  Vor einigen Tagen teilte sie mir das Ergebnis mit: Sie ist Schul-Direktorin geworden! Die anderen sechs hatten das Nachsehen.

 

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