Präsentation Aufbau: DAS sollten Sie vermeiden -DAS beachten

Matthias Pöhm - Rhetorik Coaching Enthusiast
Hier sind einige wichtige Do’s aber viel wichtiger die Don’ts für einen effektiven Aufbau einer Präsentation. Dinge, die Sie zwar überall hören, die aber nicht funktionieren.
Die Einleitung – Sie muss spannend sein
Die Einleitung ist ein entscheidender Teil der Rede, da hier der Grundstein für das weitere Interesse am Vortrag gelegt wird. Wie jeder gute Kinofilm sollte der Anfang die Leute gleich so in ihren Bann ziehen, dass sie denken: "Wow, das fängt ja schon mal gut an"
Einstiegsmöglichkeiten:
- Eine Abstimmungs-Frage stellen: Fragen Sie zum Beispiel “Wer von Ihne hatte schon mal einen Virus auf seinem Computer? – Hand hoch”. So eine Frage kann das Publikum direkt in die Thematik einführen.
- Persönliche Anekdote: Eine kurze, relevante Geschichte zieht Menschen oft emotional an und schafft eine persönliche Verbindung.
- Statistiken oder interessante Fakten: Interessante Zahlen und Fakten, die überraschend sind, wecken das Interesse und dienen als spannender Einstieg zum Thema.
Z.B: “Viele sagen: Wir als Menschheit müssen andere Planeten besiedeln. Unser nächst gelegener Stern ist Alpha Centauri. Er liegt 4,3 Lichtjahre von uns entfernt. Wenn wir uns mit der schnellsten Rakete von Elon Musk dorthin auf den Weg machen, sind wir 120’000 Jahre unterwegs…”
Vermeiden Sie Zitate oder Sprüche als Einleitung:
Entgegen der überall zu lesenden Tipps empfehle ich Ihnen:
Lassen Sie Zitate von Goethe, Laotse oder Steve Jobs weg. Ein Zitat wirkt altväterlich, ausgelutscht und lässt Sie als Redner nur zum Imitator von Wissen, statt zur Quelle von Wissen werden.
Es ist viel spannender, wenn ein Redner sagt: “Ich hab was gelernt im Leben: Wenn Sie einen Langen Weg vor sich haben… GEHEN Sie – EINFACH – LOS!” Als wenn jemand sagt: “Wie Laotse schon so treffend bemerkt hat: Ein langer Weg beginnt mit dem ersten Schritt”
Vermeiden Sie Übersichten als Einleitung:
Entgegen der überall zu lesenden Tipps empfehle ich Ihnen:
Machen Sie keine Übersichten über Ihre Präsentation, keine Inhaltsangabe, keinen Zweck der Präsentation, keine Rechtfertigung, warum Sie berechtigt sind, über das Thema zu reden. Das wirkt wie ein mittelmäßiger Schulunterricht. Außerdem verraten Sie den Mörder, bevor der Krimi beginnt. Obama macht das alles nicht – also machen Sie das auch nicht.
Der Hauptteil – Unterhalten und Überzeugen
Der Hauptteil ist das Herzstück der Präsentation und sollte den Hauptgedanken und die Kernaussagen verständlich vermitteln. Der Hauptteil kann in Module gegliedert werden, die jeder für sich unterhaltend oder überzeugend sein müssen.
Tipps für den Hauptteil:
- Kernbotschaften identifizieren: Begrenzen Sie sich auf drei Hauptpunkte oder Argumente. Diese sollten fokussiert sein, da zu viele Informationen die Aufmerksamkeit des Publikums mindert. Die Kernbotschaften müssen mit Bedeutung und Pausen gesprochen werden, sonst verfehlen Sie Ihre Wirkung.
- Beispiele: Verwenden Sie Beispiele, Anekdoten, Studien oder Zahlen, um Ihre Aussagen zu untermauern und greifbarer zu machen.
- Storytelling: Geschichten sind ein starkes Mittel, um Interesse zu wecken und komplexe Ideen anschaulich darzustellen. Sie können die Kernbotschaft einprägsamer machen und beim Publikum Emotionen hervorrufen, die die Präsentation lebendig gestalten.

Vermeiden Sie Übergänge
Entgegen der überall zu lesenden Tipps empfehle ich Ihnen:
Machen Sie keine Übergänge zwischen den einzelnen Punkten. Sätze wie „Ein weiterer wichtiger Punkt ist…“ oder „Dies führt uns zu…“ lassen Ihre Präsentation wie eine Aufzählung wirken. Viel besser als Überleitungen sind…
Pausen!
Schweigen Sie 3 bis 5 Sekunden – mit Blick ins Publikum – und dann fangen Sie ansatzlos mit einem neuen Thema, einem neuen Argument an.
Argumentationstechniken für mehr Überzeugungskraft
Um das Publikum wirklich zu erreichen, ist es hilfreich, auf bestimmte Argumentationstechniken zurückzugreifen. Sie machen Ihre Präsentation lebendiger und eindringlicher.
- Vergleiche und Metaphern: Durch bildhafte Vergleiche kann man abstrakte Aussagen anschaulicher und greifbarer machen.
Beispiel. Statt zu sagen: “Mit dieser minimalen Maßnahme, erwarten wir viel zu große Veränderungen”, sagen Sie lieber: “Das ist wie wenn ein Kind in den Bodensee pinkelt, und Sie rechnen mit einer Überschwemmung”.
- Reihenfolge nach Wirkung: Stellen Sie Ihre Argumente in einer Reihenfolge dar, die die Hierarchie der Wirkung einhält. Das jeweils stärkste Argument sollte am Ende stehen, da es dort die meiste Wirkung entfaltet. Das ist wie ein Feuerwerk. Der größte Feuerwerkskörper wird immer erst am Ende gezündet.
Vermeiden Sie Gegenüberstellung von Pro und Contra:
Entgegen der überall zu lesenden Tipps empfehle ich Ihnen:
Machen Sie keine Gegenüberstellung von Pro und Contra, bei der Sie potenzielle Gegenargumente ansprechen. Machen Sie auch keine “These und Antithese”. Das steht zwar in Rhetorikhandbüchern, verwässert aber Ihre Rede und ist völlig unbrauchbar.
Nur wenn ein Gegenargument im Hirn von mehr als 50% der Zuhörer als Frage auftaucht, müssen Sie es aktiv behandeln.
Z.B. “Ich weiß, viele von Ihnen denken: Es gibt schon so viele Marketingagenturen, jetzt wollen wir da auch noch mitmischen? Lassen Sie uns das anschauen…”
Der Schluss-Satz wird mit nach Hause genommen
Der Schluss ist genauso wichtig wie die Einleitung und erinnert die Präsentation. Ein schwacher Abschluss mindert den positiven Eindruck der Rede, während ein starker Schluss die Aussage wie ein Pfeil im Herzen mitnehmen lässt.
Methoden für einen starken Abschluss:
- Appell oder Handlungsaufforderung: Ein klarer Aufruf, etwas Bestimmtes zu tun oder zu überdenken, verleiht der Rede eine praktische Bedeutung und wirkt motivierend.
- Eine Lebensregel. Geben Sie einen Lebens-Tipp oder eine Lebensregel. Beispiel: “Und zum Schluss noch eine Tipp, wenn Sie neue Mitarbeiter einstellen. Stellen Sie niemanden ein, mit dem Sie nicht auch zusammen auf ein Bier gehen würden… Danke!”
Vermeiden Sie Zitate als Abschluss:
Entgegen der überall zu lesenden Tipps empfehle ich Ihnen:
Machen Sie keine Fremd-Zitate am Ende. Viel besser sind eigene Lebenseinsichten, oder eigene Lebensregeln, die Sie dem Publikum mitgeben.
Vermeiden Sie Zusammenfassung der Kernbotschaften:
Entgegen der überall zu lesenden Tipps empfehle ich Ihnen:
Fassen Sie auf keinen Fall die wichtigsten Aussagen noch einmal zusammen. Das ist unterklassiger Schulunterricht, und hat gar nichts mit einer packenden Rede zu tun.
Die Funktion einer Präsentation ist nicht die Behaltensquote des Gesagten, sondern das subjektive Gefühl “Wow! Es hat sich gelohnt hier zu sein”. Zusammenfassungen ermüden und killen im Nachhinein die Emotionen.
Vermeiden Sie Rhetorische Fragen
Entgegen der überall zu lesenden Tipps empfehle ich Ihnen:
Machen Sie keine rhetorische Fragen zum Schluss. Wenn Sie z.B. damit enden: “Können Sie etwas dafür, mit einem deutschen Pass geboren worden zu sein?” Dann ist das zwar eine rhetorische Frage, aber das Ende hängt in der Luft. Die Leute denken “Was kommt jetzt noch?”
Das Publikum muss am Ende eindeutig wissen, dass jetzt applaudiert werden muss. Mit einer rhetorischen Frage geht das nicht.
Praktische Tipps für den Präsentationsaufbau
Ein gut strukturierter Aufbau ist eine Sache, die richtige Präsentation eine andere. Hier einige praktische Tipps, um das Beste aus Ihrem Redeaufbau herauszuholen:
- Visualisieren und Gliedern: Erstellen Sie ein grobes Konzept oder eine Mindmap. Schreiben Sie die wichtigsten Punkte und Kernaussagen auf, um sich den Aufbau besser vorstellen zu können.
- Übung und Training: Eine gute Rede verlangt Übung. Üben Sie mit Kamera, vor Freunden oder einem Spiegel, um Timing und Ausdruck zu verbessern.
- Frei sprechen: Verzichten Sie auf ein vollständiges Manuskript beim Präsentation. Notieren Sie sich lediglich die wichtigsten Stichpunkte auf Karten oder auf Papier, um die Präsentation frei zu halten. Abgelesene Reden wirken hölzern. Außerdem schreiben Sie anders, als Sie reden. Im Manuskript sind Satzmonster von 35 Wörtern, wohingegen die gesprochene Wirksprache nur aus Sätzen mit maximal 8 Wörtern besteht.
- Pausen nutzen: Pausen erzeugen Spannung und Eindringlichkeit und lassen Ihre wichtigen Botschaften im Bewusstsein der Zuhörer nachschwingen. Ein gezielt gesetzter Moment der Stille verstärkt die Wirkung jeder Aussage.
- Selbstbewusstsein ausstrahlen: Aufrechte Haltung und ruhige Körpersprache wirken direkt auf das Publikum. Selbstbewusste Gesten und ein ständiger Rundum-Blick verleihen Ihrer Rede eine starke Präsenz.
Erzählen Sie Geschichten
Sie überzeugen Menschen durch Geschichten, Beispiele und Metaphern. Wenn Sie Ratgeberbücher lesen, werden Sie immer erkennen, dass der Autor lange Geschichten erzählt, um auf am Ende auf eine relativ kurzen Erkenntnis zu kommen. Die Leute erinnern sich nicht an die Argumente – sie erinnern sich an die Geschichten, die Sie erzählen. Und es ist durch die Erinnerung an die Geschichten, dass sie sich an die Punkte erinnern, die Sie mit ihnen illustriert haben. Geschichten sind wie geistige Haken: Sie sind Orte für Zuhörer, an denen Sie immer wieder zurückkehren.
Woher bekommen Sie Geschichten
Woher bekommen Sie die besten Geschichten, um Ihre Ideen zu illustrieren? Von Ihren eigenen Lebenserfahrungen! Denken Sie zurück an Ihr Leben, an Ihre prägenden Erlebnisse. Suchen Sie nach den wichtigen Lektionen, die Sie gelernt haben, dann erinnern Sie sich an die Erlebnisse, die dazu geführt haben. Teilen Sie am Ende der Geschichte auch mit, was Sie daraus gelernt haben und was Sie auf Grund dieser Geschichten für Lebens-Philosophien ableiten. Bewegenden Geschichten finden Sie sind überall – vom eignen Kindergartenerlebnis bis zur Dokumentation auf Netflix.
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Fazit: Den Präsentationsaufbau machen Sie nicht am Anfang
Eine Präsentations-Struktur entsteht erst im Nachhinein. Sie entwickeln Ihre Rede zunächst in unabhängig für sich funktionierenden Modulen und sortieren diese Module erst danach. Der Anfang- und Schlusssatz wird am Ende bestimmt. Der bewusste Einsatz von Pausen und Gesten macht Ihre Präsentation erst zu einem Erlebnis für das Publikum.
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