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Schlagfertigkeit: Der einfache Trick, wenn Sie ein Verhalten stört

Ihnen ist sicher schon einmal aufgefallen, dass Sie Menschen manchmal auf ein Fehlverhalten hinweisen, aber es bessert sich nicht. In diesem Artikel erfahren Sie eine Ursache, woran es liegen könnte.

Mein heutiger Mentoring-Kunde hatte ein Problem aufs Tapet gebracht: „Die Leute schauen mich manchmal nicht an, wenn sie mit mir sprechen.“ Er wollte wissen, wie man darauf reagiert.

Das ist ein typischer Fall für eine einfache Schlagfertigkeitstechnik: Ansprechen, was mich stört.

Und zwar gehen Sie dabei in drei Stufen vor.

 

Erste Stufe: Beobachtung

„Mir fällt auf, Sie schauen mich nicht an, wenn Sie mit mir sprechen.“

Sie beschreiben, was Sie beobachten. Ohne Vorwurf, ohne Wertung, ohne Psychologisieren. Sie sagen lediglich, was Ihnen aufgefallen ist.

 

Zweite Stufe: Sie beschreiben das gewünschte Verhalten

„Ich möchte Sie bitten, mich anzuschauen, wenn Sie mit mir sprechen.“

Hier liegt der eigentliche Knackpunkt. Sie sagen nicht, was der andere falsch macht, sondern welches neue Verhalten Sie sich von ihm wünschen. Sie formulieren das positive Soll-Verhalten.

 

Dritte Stufe: Die persönliche Begründung

„Ich fühle mich wohler dabei.“

Damit erklären Sie, warum Ihnen dieses Verhalten wichtig ist. Sie machen deutlich, dass es Ihnen nicht darum geht, den anderen zu bevormunden, sondern dass Sie ein persönliches Anliegen haben.

Und hier die Antwort in einem Guss:

„Mir fällt auf, Sie schauen mich nicht an, wenn Sie mit mir sprechen. Ich möchte Sie bitten, mich anzuschauen, wenn Sie mit mir sprechen. Ich fühle mich wohler dabei.“

Das Prinzip klingt simpel. Aber es hat einen Haken.

 

Das positive Soll-Verhalten ist nicht immer leicht zu finden

Wenn jemand zu laut spricht, ist die Lösung einfach: „Bitte sprechen Sie etwas leiser.“ Wenn jemand ständig unterbricht, ist es schon kniffliger. Falsch wäre, zu sagen: „Ich möchte nicht, dass Sie mich dauernd unterbrechen.“ Besser formulieren Sie: „Bitte lassen Sie mich meinen Satz immer zu Ende führen, bevor Sie Ihr Statement geben.“

Doch was sagen Sie, wenn jemand hinter Ihrem Rücken schlecht über Sie redet? Was ist hier das positive Soll-Verhalten?

„Bitte reden Sie nicht schlecht hinter meinem Rücken“ beschreibt wieder nur das negative Verhalten, das Sie abstellen wollen. Die bessere Formulierung lautet: „Wenn Sie ein Problem mit mir haben, möchte ich Sie bitten, immer nur direkt mit mir darüber zu sprechen.“

Das ist der entscheidende Unterschied. Sie formulieren nicht, was der andere unterlassen soll, sondern was er stattdessen tun soll.

 

Weitere Beispiele aus dem Alltag

1. Jemand hält sich nicht an Abmachungen.

Negativ: „Ich möchte nicht, dass Sie unsere Abmachungen ständig ignorieren.“

Positiv: „Ich möchte, dass Sie sich an unsere Vereinbarungen halten. Falls Sie etwas nicht einhalten können, informieren Sie mich bitte rechtzeitig.“

2. Ein Mitarbeiter schiebt unangenehme Aufgaben auf andere ab.

Negativ: „Ich möchte nicht, dass Sie Ihre Arbeit ständig auf andere abwälzen.“

Positiv: „Ich möchte, dass Sie Ihre Aufgaben selbstständig übernehmen und erledigen. Wenn Sie Unterstützung brauchen, sprechen Sie mich bitte an.“

3. Ein Kollege macht sich über andere lustig.

Negativ: „Hören Sie auf, sich ständig über andere lustig zu machen.“

Positiv: „Ich möchte, dass Sie Kritik nur sachlich ansprechen und dabei den anderen immer integer aussehen lassen.“

 

Praxisübungen für Sie

Was würden Sie bei folgenden zwei Situationen als gewünschtes Soll-Verhalten formulieren?

  • Jemand reagiert auf Kritik sofort mit Rechtfertigungen.
  • Jemand macht vor anderen abfällige Bemerkungen über Sie.

 

Meine Erkenntnis

Die eigentliche Schwierigkeit liegt nicht darin, das störende Verhalten zu benennen. Das kann fast jeder. Die Kunst besteht darin, das gewünschte neue Verhalten zu formulieren.

Der Grund: Unser Gehirn hängt sich am Problem auf. Wir sehen, was falsch läuft, und wollen, dass es aufhört. Aber damit sagen wir dem anderen noch lange nicht, was er stattdessen tun soll.

Der Vorwurf, der beim anderen im Hirn landet, wiederholt noch einmal das Negativverhalten – zwar mit einem „nicht“ davor, aber es wird das Bild des schlechten Verhaltens erzeugt - der andere weiß im Grunde noch nicht, was er stattdessen tun soll. Deswegen werden Ihre Anweisungen oft nicht ausgeführt. Die Ursache liegt nicht beim anderen, sondern bei Ihrer Formulierung.

Wenn Sie hingegen das positive Soll-Verhalten formulieren, erzielen Sie nicht nur eine bessere Wirkung mit Ihrer Antwort, sondern Sie machen es auch wahrscheinlicher, dass der Gegenüber sein Verhalten tatsächlich ändert.

 

Praxistipp:

Wenn Sie sich das nächste Mal über jemanden ärgern, stellen Sie sich eine Frage: „Was genau soll dieser Mensch stattdessen tun?“

Formulieren Sie daraus einen konkreten Wunsch. Nicht: „Machen Sie XY nicht mehr!“ Sondern: „Ich möchte, dass Sie künftig …“

Das funktioniert nicht in jedem Fall. Aber es ist deutlich zielführender, als dem anderen lediglich sein Fehlverhalten vorzuhalten.

 

Etwas Persönliches vom Autor 

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