So erkennen und eliminieren Sie Ihre rhetorischen Marotten

Rhetorische Marotten – fast jeder hat sie, kaum jemand ist sich ihnen bewusst. Ob bei Meetings, in Gesprächen oder bei Präsentationen: Unbewusste Gewohnheiten schleichen sich fast unmerklich ein und untergraben Ihre Wirkung auf andere. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie sich davon dauerhaft befreien.
Als Rhetoriktrainer beobachte ich immer wieder bei meinen Teilnehmern deren kleinen und größeren Ticks.
Der eine trippelt nervös hin und her, der andere hält seine Hände zu weit oben am Körper, jemand anderes stellt beim Reden stets sein Bein seitlich ab. Manche verlieren sich in endlosen Erklärungen ohne auf den Punkt zu kommen, andere reden viel zu schnell, wieder andere streuen immer wieder Formulierungen wie „sozusagen“ oder „eigentlich“ ein. Andere Teilnehmer, ziehen immer die Stimme am Ende des Satzes nach oben, wieder andere schauen beim Sprechen zur Decke oder auf den Fussboden, oder manche haben ein Dauerlächeln – selbst bei ernsten Inhalten... Die Liste ist endlos.
Auch Sie – ja, genau Sie – haben mit hoher Wahrscheinlichkeit solche sprachlichen oder körpersprachlichen Eigenheiten. Der entscheidende Punkt dabei ist: Die meisten dieser Marotten sind den Betroffenen vollkommen unbewusst. Aber diese kleinen Ticks senden Signale der Unsicherheit und untergraben Ihre Autorität – ohne dass Sie es merken.
Die Marotte nur zu kennen heilt noch nicht
das erste was Sie brauchen ist jemand, der Ihre rhetorischen Marotten überhaupt erkennt. Ein ungeschultes Auge kann das meist nicht erkennen. Ich empfehle Ihnen deshalb in eines meiner Rhetorikseminare zu kommen, ich erkenne, was bei Ihnen selbst meist unerkannt bleibt.
Aber jetzt nehmen wir mal an, Sie wüssten um ihre rhetorische Marotten. Z.B Sie sprechen zu schnell. Es nützt Ihnen nichts, dass ihnen jemand nochmal sagt: Sie sprechen zu schnell. Denn das haben sie schon hundertfach gehört, aber das Aufmerksam-machen hat Ihnen ja offensichtlich nichts genutzt.
Warum? Weil das Verhalten tief im Unterbewusstsein verankert ist und sich automatisiert hat. Um solche Automatismen zu verändern, gibt es einen Trick aus der Hundeerziehung.
So verlieren Sie Ihre Marotten
Ein Hund lernt am meisten, wenn er direkt auf seinen Fehler aufmerksam gemacht wird. Und so ist es auch bei Ihnen,
Stellen wir uns vor, Ihre persönliche Schwäche besteht darin, immer wieder das Wort „eigentlich“ zu verwenden. „Ich bin eigentlich mit dem Ergebnis zufrieden“. Das klingt eben viel unpräziser als „Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden“. Das Wörtchen „eigentlich“ ist ein Indikator für Unsicherheit.
Die folgende Methode funktioniert ähnlich wie bei der Hunde-Erziehung:
-
Suchen Sie sich eine Vertrauensperson – das kann ein Kollege, ein Freund oder ein Familienmitglied sein. Wichtig ist, dass die Person bei ihren Präsentationen anwesend ist - bereit ist, genau aufzupassen und Ihnen gegenüber ehrlich ist.
-
Vereinbaren Sie ein klares Signal: Wenn Sie die Marotte wieder verwenden – z.B. das Wort „eigentlich“ –, dann gibt die Vertrauensperson Ihnen sofort ein akustisches oder optisches Zeichen. Das kann ein kurzes Tippen mit dem Fingernagel auf den Tisch sein, ein diskretes Sich-am-Ohr-Kratzen oder ein anderes vorab vereinbartes Zeichen. Die Unmittelbarkeit ist der Kern. Ihr Hirn bekommt das Signal sofort – denn wie ein Hund, lernen Sie am meisten, wenn Sie sofort auf den Fehler aufmerksam gemacht werden und nicht erst 2 Minuten später.
-
Zahlen Sie dafür: Und zwar jedes Mal. Für jedes erkannte Vorkommen bekommt Ihre Vertrauensperson z.B. 3 Euro. Am Ende des Tages wird abgerechnet.
Diese Methode wirkt, weil Ihr Gehirn den Fehler sofort registriert – nicht irgendwann später in einem Feedbackgespräch, sondern in Echtzeit. Und, die sprachliche Marotte wird mit einem Schmerz verbunden – in diesem Fall dem finanziellen Verlust.
Wie schnell funktioniert das?
Erfahrungen zeigen: Je häufiger Sie die Methode anwenden, desto schneller wird der Tick abgestellt. Nehmen wir mal an, Sie haben 150 bis 200 Euro „Strafgeld“ ausgegeben, bis Ihr Gehirn das störende Verhalten selbstständig unterdrückt. Damit ist diese Methode günstig, dafür dass sie plötzlich in ihrer Umgebung und von ihren Mitarbeitern komplett anders angesehen werden.
Die meisten Marotten, sind den Leuten nicht bewusst. Ich empfehle deshalb, sich Feedback einzuholen - Ein Coaching oder ein Rhetorikseminar ist dafür das beste Mittel. Oder aber, schauen Sie zumindest in das von mir erstellte Worthülsen-Lexikon – eine Sammlung gängiger Füllwörter, Sprachmarotten und inhaltsleerer Formulierungen. Dort können Sie überprüfen, ob sich nicht auch in Ihrer Sprache irgendwelche Sprachmarotten angesammelt haben.
Fazit
Alles, was Sie brauchen, um rhetorische Marotten abzustellen, ist eine Verbündeter und die Bereitschaft, sich selbst auf die Finger schauen zu lassen. Dann steht Ihrer Entwicklung zu einem einflussstarken Klartext-Redner nichts mehr im Wege.
Etwas Persönliches vom Autor
Ich weiss, dass meine Artikel eine höhere Qualität liefern, als der Durchschnitt des rhetorischen Sprühnebels, der da draussen sonst zu lesen ist. Tatsache ist: es gibt nur wenige, die das überhaupt erkennen. Wenn Sie zu diesen wenigen gehören, hier eine Idee: abonnieren Sie meinen Newsletter. Und wenn Sie finden, dass ich damit recht habe: fünf Sterne bei Google sind eine schöne Art, es mir mitzuteilen.
1-zu-1-Mentoring mit M. Pöhm persönlich: Mentoring
Rhetoriktrainer werden: Ausbildung zum Kommunikationstrainer
Möchten Sie selbst auf den grossen Bühnen stehen? Speaker-Ausbildung mit M. Pöhm
War verkürzt im Pöl Okt 24