Das Video kostete viel Geld – und flog aus der Rede

Meine letzte Redecoaching-Kundin hatte mit ihrer Medizingerätefirma ein revolutionär neues Gerät entwickelt. Dieses Gerät sollte auf einer Veranstaltung mit 500 interessierten Heilpraktikern vorgestellt werden. Jetzt hat sie dafür ein Video drehen lassen: fünf Minuten mit Musik, KI-Animation, Helikopterflug und sehr vielen anderen Gimmicks. Der Kern dieses Videos war, deutlich zu machen, dass dieses Gerät mit all den neuen integrierten Funktionen nicht wie erwartet kühlschrankgroß ist, sondern nur die Größe eines Handys hat.
In 9 von 10 Fällen fliegt das Video raus
Die Frage kommt immer wieder von meinen Rhetorik-Kunden: Soll ich in einem Vortrag Videos zeigen? Meine Antwort in 9 von 10 Fällen ist: Das Video fällt raus.
Auch in diesem Fall haben wir das Video weggelassen im Austausch gegen einen echten Redner, mit echten Worten, mit echter Energie und echter bodenständiger Glaubhaftigkeit.
Das Problem bei Videos während eines Vortrags ist folgendes: Ihr Vortrag wird zu einem Kinobesuch. Es ist ein Riesenunterschied, ob Sie ein Konzert eines Künstlers live sehen oder nur eine Dokumentation über dieses Konzert im Kino anschauen. Sie kommen in eine Live-Veranstaltung um Menschen live zu sehen, nicht Filme.
Wenn aus Ihrem Vortrag ein Messevideo wird
Videos wirken oft wie ein Messeauftritt, wo man mit einem Video versucht, ein Publikum irgendwie am Messestand zu halten. Wir alle sind überfüttert mit TikTok- und YouTube-Videos – überall werden Videos gezeigt. Sie sind inflationär geworden.
Die unmittelbare Wirkung eines Menschen nicht.
Ein Video ist ein Eingeständnis: Ich als Redner kann es nicht. Aber es ist nicht nur das Können: Selbst ein schlechter Redner hat im Durchschnitt eine bessere Wirkung als ein sehr gut gemachtes Video. Vor allem, wenn das Video bombastische Musikuntermalung beinhaltet.
In einem Hollywood-Film oder einem Werbefilm hören Sie solche Musik immer im Hintergrund. Daran sind wir gewöhnt und unser Unterbewusstsein weiß: Hier wird mir gerade musikalisch vorgeschrieben: Achtung, jetzt bitte beeindruckt sein.
Wenn ich aber einen seriösen Vortrag habe, bei dem ich mit bombastischer Musik irgendeine Neuerung rüberbringen möchte, dann klingt das nach Strukturvertrieb, nach gewollt, nach billig und unseriös. Und das gilt es zu vermeiden.
Die bessere Lösung brauchte weder KI noch Helikopterflug
Die Lösung mit meiner Coaching-Klientin war anders:
Wir haben die spektakuläre Größe des Geräts einfach per Hand physisch auf der Bühne rübergebracht.
Meine Klientin hatte auf einem Tisch ein Tuch über ein Objekt gelegt. Jetzt sagte sie mit bedeutungsvoller Stimme: „Und jetzt werde ich Ihnen sagen, wie groß unser Gerät wirklich ist.“ Jetzt erahnt das Publikum unter dem Tuch ein Objekt mit ungefähr 70 cm Breite und 40 cm Höhe. Jetzt nimmt sie das Tuch weg und dort ist aber nur eine ebenso große Schachtel zu erkennen. Fehlgeleitete Erwartung! Und erst in dieser Schachtel ist das echte Objekt.
70 Zentimeter erwartet – Handygröße bekommen
Jetzt greift sie schweigend in die Schachtel, holt langsam das Objekt heraus, versteckt es aber hinter ihrem ausgestreckten Handrücken. Sie nimmt ihre Hand nach oben, das Publikum sieht aber nur den Handrücken, noch nicht das dahinter versteckte Objekt. Und jetzt, nachdem sie es zwei Sekunden schweigend ins Publikum gehalten hat, dreht sie langsam ihre Hand nach oben und erst jetzt wird das Objekt sichtbar: Es hat nur die Größe eines Handys!
Das ist überraschend. Das ist cool und dreimal besser als jedes mit Trompetenfanfaren begleitete Video.
Schauen Sie Ihre Videos, die Sie während Ihrer Rede zeigen wollen, unter diesem Blickwinkel an.
Praxistipp für Sie:
Tauschen Sie Ihre Videos gegen Sie selbst aus.
Das kommt in 9 von 10 Fällen wesentlich besser.
Etwas Persönliches vom Autor
Ich weiss, dass meine Artikel eine höhere Qualität liefern, als der Durchschnitt des rhetorischen Sprühnebels, der da draussen sonst zu lesen ist. Tatsache ist: es gibt nur wenige, die das überhaupt erkennen. Wenn Sie zu diesen wenigen gehören, hier eine Idee: abonnieren Sie meinen Newsletter. Und wenn Sie finden, dass ich damit recht habe: fünf Sterne bei Google sind eine schöne Art, es mir mitzuteilen.
Ihr Auftritt soll zu einem Highlight werden: Rhetorik Coaching
1-zu-1-Mentoring mit M. Pöhm persönlich: Mentoring
Rhetorik- und Kommunikationstrainer werden: Ausbildung zum Kommunikationstrainer