Wie ich einen Speaker für 8.500 Zuschauer vorbereitet habe und was Sie daraus lernen können - Speaker-Coaching

Ich habe einen Speaker für die Hauptbühne der Younity in Basel gecoacht – mit das größte Speaker-Event im deutschsprachigen Raum. Vor 8.500 Zuschauern redete er dort auf der Hauptbühne.
Zusammen mit ihm habe ich die Rede erstellt und trainiert. Inklusive Interaktion mit dem Publikum und allen rhetorischen Kniffen. Wir waren zwei volle Tage dran.
Ich schreibe diesen Artikel, weil auch Sie, lieber Leser, zwar eine gut ankommende Rede halten können, aber das heißt noch nicht, dass Sie dauerhaft DER Meinungsführer-Speaker geworden sind, der man hätte sein können. Sie sollen sehen, dass Speaker-Coaching einfach auch intensive, lange Beschäftigung mit dem Thema braucht und immer wiederkehrendes Training.
Seine Rede kam sehr gut an. Sein Angebot einer spirituellen Ausbildung war danach ausverkauft.
Die Nachanalyse per Video-Clips
Nach seinem Auftritt bekam ich mehrere Videoclips aus seiner Rede. Ich habe sie mir einzeln angesehen und ihm trotz des Erfolges ein detailliertes Feedback gegeben.
Er sprach flüssig, ohne Stolperer und wirkte auf der Bühne nicht nervös. Er stand stabil, hatte einen guten Blick ins Publikum und die meisten Gesten waren gut.
Aber gerade bei einer Bühne dieser Größenordnung entscheiden oft Kleinigkeiten darüber, ob er auch durchgehend Autorität ausstrahlt und als Meinungsführer wahrgenommen wird. Das waren die von mir erkannten Punkte, die auch für Sie wichtig sein können, wenn Sie vor Publikum treten.
Lächeln Sie nicht an Stellen, an denen Ihre Aussage ernst genommen werden soll
In einem Teil seiner Rede stellte der Speaker dem Publikum eine Frage und bat um Handzeichen: „Wer von euch kam beim zweiten Mal weiter als vorher? Bitte Handzeichen.“ Dabei lächelte er.
Ich hatte ihm bereits bei der Vorbereitung seiner Rede gesagt, dass er auf solche unbewussten Reaktionen achten müsse. Denn das Lächeln veränderte die Wirkung der gesamten Situation. Die Zuschauer sollten durch die Übung bei sich überrascht eine Fähigkeitserhöhung erkennen und auf die anschließende Erklärung gespannt sein.
Wenn der Speaker dabei lächelt und anschließend noch kommentiert: „Gut … haha … okay … wunderbar“, nimmt er der Situation ihre Bedeutung. Meine Anweisung war deshalb: Nach der Abstimmung nicht sofort reden. Nicht kommentieren. Nicht mit einem Lächeln entschärfen. Pause machen. Das Ergebnis muss zunächst wirken und Spannung erzeugen: Was bedeutet das jetzt? Und erst dann kommt die Auflösung:
„Das ist die Macht – der konzentrierten – Gedanken!“
Auch nach dieser Aussage muss wieder eine Pause kommen!
Praxistipp 1: Lächeln Sie nicht an Stellen, wo Sie ernsthafte Erkenntnisse verkünden wollen.
Praxistipp 2: Schreiben Sie in Ihrem Redetext jeweils nach wichtigen Aussagen ausdrücklich: «Pause». Nach diesen Sätzen sagen Sie mindestens zwei oder drei Sekunden nichts. Und schauen dabei stabil ins Publikum.
Hören Sie auf, jeden Satz am Ende nach oben zu sprechen
Ein weiterer Punkt war seine Stimmführung. Der Speaker hatte die Tendenz, am Ende von Aussagen mit der Stimme nach oben zu gehen. Das führt dazu, dass selbst eine klare Aussage weniger entschieden wirkt.
Ein Satz lautete beispielsweise:
„Du hast dich nur 50 Sekunden konzentriert und trotzdem hast du deine komplette Körperrealität verändert.“
Inhaltlich eine starke Aussage. Aber wenn die Stimme am Ende wieder nach oben geht, verliert der Satz an Bedeutung.
Ich habe ihm deshalb anhand von mir selbst gesprochenen Audio-Beispielen gezeigt, wie unterschiedlich derselbe Satz wirkt, je nachdem, ob die Stimme am Ende oben bleibt oder nach unten geführt wird.
Praxistipp: Nehmen Sie drei wichtige Aussagen Ihrer Rede auf. Hören Sie ausschließlich auf das letzte Wort. Steigt Ihre Stimme dort nach oben, obwohl Sie eine Feststellung treffen? Dann sprechen Sie den Satz noch einmal und führen Sie die Stimme am Ende bewusst nach unten.
Hände am Oberkörper wirken unsicher
Bei mehreren Clips fiel mir eine bestimmte Grundhaltung auf: Seine Hände gingen immer wieder relativ hoch an den Oberkörper zurück. In einem Clip blieben die Hände von Sekunde 13 bis Sekunde 20 – also sieben Sekunden – praktisch ständig oben gefaltet. Das wirkte nicht souverän, sondern eher unsicher. Als würden die Hände dort einen festen Platz suchen.
Dabei wusste der Speaker bereits, dass eine tiefere Handhaltung seine Autorität auch körpersprachlich unter Beweis stellte. Etwa in der Höhe des Bauchnabels hätte seine Körperhaltung ruhiger und autoritativer gewirkt.
Praxistipp: Schauen Sie bei ihren Reden immer auch darauf, dass Ihre Hände zwischen den Gesten als Ruheposition in die Höhe des Bauchnabels zurückkehren.
Eine Aufforderung braucht eine Geste – aber nicht abgebrochen
Das Element, das auch Teil meiner Speaker Ausbildung ist, brachte ich ihm auch für diese Rede bei. Mit einer entscheidenden Bewegung beider Hände nach oben forderte der Speaker alle 8'500 Leute im Saal aufzustehen. Dabei liess er aber direkt danach die Körperspannung zusammenbrechen, indem er seine flachen nach oben gerichteten Händen direkt wieder in an den Oberkörper herangezogene Fäuste übergehen liess.
Auch hier verlor er Präsenz.
Besser ist eine sogenannte stehende Geste: Nach seiner Aufforderung an die 8'500 Leute aufzustehen – mit ausgestreckten Armen und beiden Handflächen nach oben - sollen beide Hände mit offener Handfläche dort stehenbleiben, wo der Speaker das letzte Wort gesprochen hat. Körpersprachlich signalisieren Sie: Das war ein Befehl!
Denn nur mit einer stehenden Geste erzeugen Sie Meinungsführerschaft.
Gesten erzeugen mehr Autorität
Andere Gesten waren dann wieder hervorragend. In einem Abschnitt, in dem er davon sprach, dass wir vom unendlichen Universum bis zum kleinsten Quantenteil miteinander verbunden seien, setzte er die im Coaching erarbeiteten Geste auf der Bühne wunderbar um.
Bei den Worten «Unendlichkeit des Universums», war seine rechte Hand weit ausgestreckt Richtung Hallendecke und bei den Worten «bis zum kleinsten Quantenteil», zeigten Daumen und Zeigefinger, den Spalt so groß wie ein Gummibärchen.
Die Geste war ausladend, aber nicht übertrieben, sie war souverän und unterstützte seine Aussage. Das war Meinungsführerschaft.
An anderen Stellen waren die Gesten dagegen zu schnell. Meine Anweisung lautete deshalb:
Praxistipp:
Wenn Sie Gesten einsetzen, dann bitte mit ruhiger Bewegung. Halten Sie nach dem letzten gesprochenen Wort die Geste noch zwei Sekunden aufrecht um als echter Meinungsführer zu wirken.
Fazit: Speaker Coaching ist wie Fussball Coaching
Folgende Erkenntnis ist für mich ein wesentlicher Teil vom Speaker-Coaching.
Auch nach einer gelungenen Rede geht Ihre Entwicklung weiter. Das ist wie nach einem Fußballspiel. Auch nach einem gewonnenen Spiel macht der Fußball-Coach eine Analyse: Was war gut, was muss noch verbessert werden? Denn nur damit werden sie sich wirklich für die Champions League qualifizieren.
Das wird auch bei Ihnen so sein, falls Sie bei mir ein Speaker-Coaching buchen. Ich mache Sie besser, eindeutig, aber das heißt noch nicht, dass Sie jetzt an einer finalen Endstufe angekommen sind, ab der es nichts mehr zu verbessern gäbe.
Etwas Persönliches vom Autor
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